Der Kreis schließt sich

Der Kreis schließt sich

Wisst ihr eigentlich, wie groß so ein Rabe ist? Ja, genau, so ein ganz normaler Rabe. Also das Exemplar, das sich gerade auf dem obersten Ast des Apfelbaumes niedergelassen hat, erreicht fast die Größe einer Gans. Erschrocken nehmen all die Meisen und Spatzen, die sich gerade noch an der Futterstation gütlich getan haben, Reißaus.

Der Rabe plustert sich auf: »Krrra, Krrra, Krrra«, ertönt es laut.

Und während er krächzt, äugt er – ich schwöre es – zu mir herunter. Denn ich genieße die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Bank unter dem Apfelbaum.

Elegant hüpft der Vogel nun von Ast zu Ast, die ersten Blätter an den Zweigen schaukeln. Immer wieder lässt er seinen Ruf hören – und versichert sich, dass ich zuhöre. Schon erreicht er den untersten Ast.

Fast könnte ich ihn berühren, denke ich.

Gleichzeitig sehe ich in seine schwarzen Augen und habe das Gefühl, er zwinkert mir zu. Als ich sein Gefieder bewundere, das in der Sonne wie flüssiges Öl glänzt, bemerke ich, dass er eine kleine Papierrolle in seinen Krallen hält. Wieder krächzt der Rabe, lässt die Papierrolle auf den Tisch vor mir fallen – krächzt erneut und fliegt dann mit kräftigen Flügelschlägen davon.

Jetzt bin ich richtig neugierig. Ich breche das Siegel und lese:

»Herzlichen Glückwunsch! Du hast CityWolf III fertiggestellt. Vade retro satanas – Weiche zurück Satan – den Titel finde ich wirklich gut. Leider dauert meine Reise länger als geplant. Du musst ohne mich zurecht kommen. Ein letzter Rat: Erzähl deinen Lesern und Leserinnen von Wolfram. Den Frieden der Götter, Leif.«

Das Geheimnis ist gelüftet: CityWolf III wird am 01.05.2022 mit dem Untertitel Vade rertro satanas, erscheinen! Damit ist die erste Urban Fantasy Serie aus Passau abgeschlossen.

Um euch ein wenig neugierig zu machen, befolge ich den Rat meiner Wikinger Muse und präsentiere euch die Geschichte von Wolfram. Tom erzählt sie in einer besonderen Situation. Welche das ist? Nun, lest selbst – ab 01.05.2022 findet ihr den Roman wie gewohnt auf Amazon!

Wolframs Geschichte

»Der Sage nach geschah es an Mittwinter, als ein Jäger – sein Name war Wolfram – sich im Wald verirrte. Es schneite und er war der Spur eines wilden Tieres, das sein Dorf seit Wochen tyrannisierte, gefolgt. Es musste sich um ein besonders gefährliches Monster handeln, denn immer mehr Menschen verschwanden. Wenn überhaupt, fand man nur traurige Überreste.«

Mir fiel auf, dass ausnahmslos alle Toms Stimme lauschten, obwohl sie die Geschichte ganz sicher kannten.

»Wolfram war den ganzen Tag unterwegs. Schon schickte sich die Sonne an, unterzugehen. Völlig unerwartet kam ein heftiger Sturm auf. Er war sicher, dass er in dieser Nacht sterben würde. Und dann hörte er das Heulen.«

Unwillkürlich zuckte ich zusammen, als Tom kraftvoll heulte. Dann fuhr er fort:

»Wolfram folgte dem Ruf durch dichtes Schneetreiben und eisigen Wind. Mit letzter Kraft erreichte er den Eingang zu einer Höhle. Was er sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Ein Wolfsgesicht war nur mehrere Schritte von ihm entfernt, gelbe Augen musterten ihn ohne erkennbare Angst. Die einzige Waffe, die der Jäger besaß, war ein rostiges altes Schwert. Fest umklammerte er es, machte sich bereit für den Kampf, auch wenn er wusste, dass es aussichtslos war. Da hörte er eine Stimme. Mit wachsendem Entsetzen stellte er fest, dass sie nur in seinem Kopf ertönte.«

Tom machte eine Pause. Wir alle hingen an seinen Lippen. Endlich erzählte er weiter:

»Frieden, sagte die Stimme.

Wie kann es Frieden geben, wenn du jede Nacht mein Dorf heimsuchst?, entgegnete der Jäger.

Das bin nicht ich. Ich versuchte, euch zu schützen, aber er ist zu stark.

Wer ist zu stark?

Er, der Blut will.

Dann zog sich der Wolf zurück. Erst jetzt bemerkte Wolfram, dass das Tier humpelte. Neugierig folgte er ihm, bis zu einer Stelle, wo sich der Gang zu einer Höhle weitete, die von einem schwachen eisblauen Licht erhellt wurde. Unwillkürlich schreckte er zurück, als er im Schein dieses Lichts erkannte, wie groß der Wolf war, fast so groß wie er selbst. Nach einem letzten Blick aus gelben Augen, rollte sich das Tier ihm gegenüber zusammen. Wolfram bemerkte, wie warm es war. Wieder erklang die Stimme in seinem Kopf:

Zusammen sind wir stärker. Er rechnet nicht damit, dass Menschen sich wehren. Wir könnten ihn überrumpeln.

Wolfram wusste nicht, was er davon halten sollte. Ratlos sah er sich um. Woher kam das blaue Licht? Die Wärme tat ihm gut. Automatisch lockerte sich der Griff um das Schwert.«

Tom verstummte, schloss kurz die Augen. Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken. Dann redete Tom weiter:

»Was muss ich tun?, fragte Wolfram stumm.

Bist du bereit, dein Leben in den Dienst der guten Sache zu stellen? Bist du bereit, das gefährlichste Raubtier dieser Erde zu jagen? Bist du bereit, die Deinen zu schützen – koste es, was es wolle?

Einige Atemzüge lang dachte Wolfram nach. Er wusste nicht warum, aber er vertraute dem riesigen Wolf. Obwohl er sich nicht vorstellen konnte, wie sich die Kräfte des Tieres mit seinen eigenen vereinen sollten, nickte er.

Ja, das bin ich. Ich bin der beste Jäger meines Dorfes. Mir obliegt es, alle Bewohner zu schützen.

Dann lass dich beißen, erklärte der Wolf.

Schockiert wich der Jäger zurück.

Gerade in diesem Augenblick schleicht er sich wieder in dein Dorf, um sich eine wehrlose Frau, einen Mann oder gar ein Kind zu holen.

Tief sog Wolfram die Luft ein. Er dachte an seine junge Frau und sein kleines Kind, die zu Hause auf ihn warteten. Alle im Dorf vertrauten auf sein Können. Dann soll es so sein, beschied er.

Im nächsten Augenblick stürzte sich der Wolf auf ihn und warf ihn um. Reißzähne bohrten sich in seinen Bauch. Grellrot loderte Schmerz in Wolfram auf, er schrie. Eine unbekannte Macht drang in ihn ein. Alles wird gut, sagte sie. Dann wurde es dunkel.

Als Wolfram erwachte, schien die Sonne in die Höhle. Er hätte es nicht genauer erklären können, aber ihm schien alles irgendwie verändert.

Wir sind nun eins, ertönte es in seinem Kopf. Du und ich. Zusammen werden wir der Plage der Blutsauger Herr.

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